IRONMAN 70.3 Kraichgau 2022 – kalte, nasse Hügel

IRONMAN 70.3 Kraichgau 2022 – kalte, nasse Hügel


Ein Bericht von Michael Rudolph

Bekannt als Land der tausend Hügel genießt der Kraichgau südlich von Heidelberg mit dem meist hochkarätigem Starterfeld einen hervorragenden Ruf. Aufgrund der Höhenmeter im Radfahren und Laufen hatte ich als Nordlicht gewissen Respekt. So war ich in der Vorbereitung ein paar Tage zum Trainieren in der Eifel und habe auf Zwift Höhenmeter gesammelt. Mit dem Training freute ich mich sehr auf das Rennen. Etwas Sorge bereitete mir eine Reizung am Oberschenkel, die mir in der Rennwoche keine gezielten Einheiten gönnte. Ich kann nur jedem raten, das Krafttraining nicht einschlafen zu lassen.

Die Anreise mit Freundin Janine erfolgte mit dem minimalistischen Campingbus. Erster Stopp war Langen bei Frankfurt am legendären Waldbaggersee, den ich Ende Juni bei der Langdistanz kennenlernen darf. Der See hat absolut Topwasser und der steile Anstieg in die Radzone ist tatsächlich nicht zu unterschätzen. Nach einer Radeinheit und Übernachtung ging es über einen Stadtrundgang durch Heidelberg endlich am Freitag in den Kraichgau.

Als optimal stellte sich die extra eingerichtete Camping-Area direkt am Schwimmstart beim Kieswerk heraus. In ruhiger Atmosphäre mit etwa 25 Stellplätzen und WC Container heraus: Zur Radabgabe, zum Testschwimmen, zum Einkaufen, Entspannen, zum Bundesliga hautnah erleben am Vorabend … und letztendlich morgens zum Start . Rundum tolle Stimmung und nette Leute. All das setzte positive Gefühle in Gang und selbst die lange Party auf der Bühne bis in die Nacht am Vorabend war so zu verschmerzen. Das Bein tat aufgrund des Taper-Laufes am Vortag wieder mehr weh, aber trotzdem war ich zuversichtlich. Motto: Immer positiv denken..

Morgens hörten wir schon den prasselnden Regen auf dem Dach und beim Öffnen der Schiebetür schlug kalter Wind entgegen, den ich so eigentlich nur in Schleswig-Holstein erwartet hätte. Schnell die Bekleidung und die Rennziele realistisch eingeschätzt. Das neue lange Vereinstrikot kam in den Wechselbeutel. Die Socken vergaß ich leider. Es wurde ein nasses, ca 11 Grad kaltes Regenschauer-Rennen:

1.969 Finisher, gemeldet rd. 2.800 Athleten inklusive Staffeln

Schwimmen: 0:31:04h (Platz 216 gesamt)

Rolling Start in der zweiten Temporeihe. Nächstes Mal nehme ich die erste, um das Überholen zu vermeiden. In dem herrlichen See mit übersichtlicher Strecke war das Schwimmen bei 19.5 Grad im Neo gut zu machen. Schneller wäre drin gewesen, aber ich bin auch etwa 150m laut GPS Umweg geschwommen, weil ich das enge Feld am Rand gemieden habe. In der Wechselzone erfordert das klamme und nasse Anziehen einige Geduld und Ruhe. Motto: Ruhig ist schnell..

Radfahren: 2:41:56h (Platz 284 gesamt)

Das lange Trikot mit dem schützenden Aerohelm zauberte mir von Anfang bis Ende ein Grinsen ins Gesicht. Ohne wäre es kaum auszuhalten gewesen. Eiskalt war es trotzdem: Füsse waren Eisklötze und die Hände waren kaum in der Lage zum Halten der Gelflasche, dem Schalten oder der Riegelaufnahme. Irgendwie ging es dann doch. Die Berge und meist Rampen in Orten immer gleichmäßig rauf und beim Herunterfahren große Konzentration auf Wind, nasse Straßen, Mitfahrer und Motorräder der ständig patroullierenden Kampfrichter. Bei einem so riesigen Starterfeld auf 90km mit Bergen und Abfahrten kann sich jeder denken, dass ein 12m Abstand nicht einzuhalten ist. Ich habe angesichts der Motorräder ständig daran gedacht: aber ne blaue Karte mit fünf Minuten Zeitstrafe in der Wechselzone T2 bekam ich aufgebrummt. Wieder eine Erfahrung reicher. Später auf dem Campingplatz hörte ich, dass im Hauptfeld weiter hinten gar keine Motorräder fuhren. Ich vermute, zu eng oder Kontrolle weniger wichtig bewertet. Egal: Erfahrungsgewinn, Strecke war absolut traumhaft, alle Stationen guter Service, und ich war froh, nicht gestürzt zu sein.. wie zum Beispiel ein Mitsportler nur 2m vor mir beim Einlenken auf eine Rampe. Ein paar blutige Knie am Straßenrand sah ich mehrmals und ich mahnte mich: Hauptsache ankommen und Motto zur Zeitstrafe: Die Chance erkennen – ausruhen und Energie sammeln, wenn auch eiskalt.

Laufen: 1:19:17h (Platz 42 gesamt, 2. AK 40)

Nach den abgestandenen ewigen fünf Minuten richtete ich den Blick auf meine Lieblingsdisziplin und freute mich tierisch auf die Stimmung der massenhaften Zuschauer – insbesondere Janine, die ich im Mittelbereich der drei Runden mehrmals passieren durfte, um Anschub zu gewinnen. Laufmuskeln und Energielevel waren gut und ich konnte trotz steiler Strecke wieder Plätze einsammeln. Nötige Kühlung lieferte die Regenwolken ab halber Distanz. Spätestens nach der zweiten Runde freute ich mich nur noch auf das Ziel. Mehr als glücklich dabei, dass das Bein hielt. Es meldete sich erst am Abend verstärkt zurück. Adrenalin war also wieder mal ein wirkungsvolles Mittel. Dank an dieser Stelle aber auch besonders an Freund-Physio Clemens!

Endzeit: 4:49:11h (Platz 201 gesamt, 25 von AK40 von 280)

Fazit:
1. Kraichgau vollste Empfehlung
2. bei Widrigkeiten einfach weitermachen und die Dinge aus der Zuschauerperspektive objektiv sehen


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