Mit dem Rad nach Griechenland -Teil 3/4

Mit dem Rad nach Griechenland – Paula & Leif auf Expedition – Teil 3/4


Von Eckernförde nach Korfu

Tag 7

Am 7. Tag unserer Reise sind wir nach 65 km und 344 hm am Plattensee angekommen. Leif hatte die Route vorher extra direkt an eine Badestelle geplant, damit wir dort in der ersten Pause eine kleine Schwimmeinheit absolvieren konnten.

Leif ist also ca. eine halbe Stunde im Plattensee geschwommen und ich habe mich auf einer Parkbank ausgeruht und auf die Fahrräder aufgepasst. Bis hierher haben wir das wohlhabende Ungarn kennengelernt, mit vielen neuen und schicken Häusern.

Nach Leif war ich dann dran mit schwimmen, allerdings ist der Plattensee sehr, sehr flach und hatte dementsprechend einen sehr glibberigen und rutschigen Boden. Ich habe für ungefähr 200 m versucht zu schwimmen und dann doch festgestellt, dass ich kein Fan von großen unbekannten Gewässern bin und da mehr Gewöhnungszeit oder einen Wettkampf brauche um schnell los zuschwimmen. Als dann noch ein Schwanz von einem Scampi (vermutlich aus den nahegelegenen Restaurants direkt am Wasser) an mir vorbeigetrieben ist, habe ich meine kleine, aber feine Schwimmeinheit beendet.

Der zweite Teil des Tages war mit 106 km und 311 hm noch flacher als wir es uns je hätte erträumen können….und ich dachte Schleswig-Holstein wäre flach.

Ab dem Plattensee wurden die Lebensverhältnisse in Ungarn auf jeden Fall immer ärmer. Viele Menschen hatten kleine oder sehr kaputte Häuser und so manche Szenen haben uns sehr zum Nachdenken und Dankbar sein angeregt.

Außerdem gab es, wie schon in den Ländern davor, immer mehr Häuser, die teilweise neu gebaut waren, aber nicht von außen verputzt waren oder schon halbfertig gebaut bewohnt wurden. Unsere Vermutung war, dass die Menschen immer einfach das wenige Geld investierten was sie gerade hatten und wenn der Putz nur für das halbe Haus gereicht hat, dann war das eben so.

Einige Zeit nach dem Plattenweg mussten wir uns entscheiden, ob wir einen Umweg fahren oder einen nassen Schotterweg fahren. Leider haben wir uns für den Schotterweg entschieden. Wir sind also ca. 1 Stunde lang durch das Nichts in einem ungarischen Wald gefahren. Der Weg war unfassbar matschig und bestand quasi ausschließlich aus losem Sand. Hier hätte man definitiv ein Mountainbike gebrauchen können. Dazu kam dann noch dutzende Mosquitos die uns zerstochen haben, sobald wir angehalten sind. Wir hatten daher keine Wahl als uns durchzukämpfen und uns geschworen das nächste Mal diesen blöden Umweg zu fahren.

Bild Schotter Ungarn (sieht besser aus als es war)

Schotter Ungarn (sieht besser aus als es war)

 Als wir endlich aus dem Wald draußen waren, waren unsere Räder voll mit Schlamm und Sand (noch mehr als eh schon) und wir haben beschlossen nach Anwohnern im Garten Ausschau zu halten, um diese dann nach einem Gartenschlauch zu fragen, mit dem wir unsere Räder einmal abspülen konnten. Nach ein paar Hundert Meter haben wir einen alten Mann gefragt, der zwar kein Wort aber unsere Gesten verstand und uns freundlicherweise unsere Räder abspülen ließ. Wir wollten ihm als Dankeschön ein bisschen Geld geben, aber er wollte nichts annehmen. Der alte Mann hat in sehr ärmlichen Verhältnissen gelebt und war trotzdem sehr hilfsbereit und sehr freundlich. Definitiv ein Mensch der uns nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist.

Am 8. Tag sind wir auf 156 km und knapp 1200 hm einmal quer durch den östlichen Zipfel von Kroatien, bis nach Bosnien-Herzegowina reingefahren.

Landschaftlich hatte sich zu Ungarn nicht so viel verändert, es wurde nur langsam aber sicher wieder etwas hügeliger. Die „Bundestraßen“ in Kroatien waren ähnlich wenig befahren, wie die in Ungarn und so hatten wir quasi frei Fahrt.

Mitten in Kroatien in einem kleinen Dorf haben wir dann vor einem Supermarkt tatsächlich zwei Deutsche Brüder getroffen. Sie kamen ursprünglich aus Bosnien-Herzegowina und sind in Deutschland aufgewachsen und hatten dort ihre Mutter besucht, die im Krieg nach Kroatien in das Zitat „Kaff hier“, geflohen war.

An der Bosnischen Grenze gab es ein wenig Stau und wir mussten etwas warten, vor allem deswegen, weil wir uns ganz brav, deutsch in die Reihe mit den Autos gestellt haben, um zu warten, bis wir an der Reihe waren. Das war dann auch das erste und letzte Mal, dass wir das gemacht haben. Mit der Bosnischen Grenze war es für mich auch das erste Mal in meinem Leben, dass ich die Europäische Union verlassen habe. Zusätzlich war es das erste Mal auf der Tour, dass wir nach unseren Impfausweisen gefragt wurden. Die haben wir ganz motiviert aus unseren Taschen geholt, aber als der bosnische Grenzbeamte gesehen hat das wir irgendein gelbes Dokument besitzen, hat ihm das gereicht und er hat uns durchgewunken.

Unser erster Host war ein bosnischer Motorradfahrer, der dem Motorradclub „Scorpions“ angehört. Damit das jeder sehen konnte hatte er sogar einen Skorpion tätowiert. Als wir angekommen sind mussten wir ihn aufwecken, er erzählte uns dann das er geschlafen hat, weil er gestern Nacht noch so lange mit dem Motorrad unterwegs gewesen ist. Danach habe ich mich mit ihm über seine Familie und unsere Tour unterhalten, während Leif Bargeld geholt hat, um die Übernachtung zu bezahlen. Spätestens ab der Slowakei war nämlich nicht mehr so viel mit Karte zu bezahlen. Danach hat der Host mir erzählt das es morgen nicht regnen wird, wie angekündigt, weil extra „Hagelraketen“ in den Himmel geschossen wurden, damit die Ernte der umliegenden Obstbauern nicht zerstört wird.

Für alle die das nicht glauben, wir haben gegoggelt, Hagelraketen gibt es wirklich, sie sind allerdings in Deutschland verboten, weil die Wirkung fragwürdig ist und sie sehr umweltschädlich sind.

Foto mit dem bosnischen Rocker Host (man beachte das T-shirt das er trägt von seinem Motorradclub „MK Laktasi“)

Foto mit dem bosnischen Rocker Host (man beachte das T-shirt das er trägt von seinem Motorradclub „MK Laktasi“)

Tag 9

Am nächsten Tag sind wir pünktlich in Laktasi aufgebrochen für die nächsten 120 km mit 1200 hm, hinein in die bosnischen Berge und raus aus der Zivilisation.

Bevor wir die Zivilisation verlassen haben mussten wir allerdings noch einen Schaden an Leifs Rad reparieren lassen. Eine Gummiabdeckung unten am Rahmen, die die Brems- und Schaltzüge lenkt, war fast kaputt. Dafür haben wir in der nächstgelegenen Stadt ein Rad Laden aufgesucht. Es hat uns zwar 1 Stunde Zeit gekostet, aber mit den lustigen und freundlichen bosnischen Angestellten aus dem Laden hatten wir viel Spaß. Sie hatten zwar kein Ersatzteil, haben aber eine sehr gute Lösung gefunden, uns noch ein Ketten Öl extra für Langstreckentouren geschenkt und Leif nur die Materialkosten berechnet.

Foto in dem Rad Laden

Foto in dem Rad Laden

Leider hatten wir an diesem Tag nicht so viel Glück mit dem Wetter und konnten dem Regen nicht, wie bisher immer, ausweichen. Zwischenzeitig wurde es durch den Dauerregen auch sehr kalt und so manches Mal konnten wir unsere Finger und Zehen nicht mehr so gut spüren.

Bild bosnische Berge

bosnische Berge

Außerdem sind wir wieder auf einen Schotterweg geraten, diesmal war das allerdings die geplante Route die auf Komoot als asphaltiert ausgeschrieben war. Es war stattdessen ein auf und ab über Schotter und Geröll. Wenn nicht schon das letzte Mal in Ungarn, dann hätten wir spätestens ab hier definitiv ein Mountainbike gebrauchen können. Trotzdem haben wir auch die 10 km mit unseren Rennrädern gemeistert, wenn auch mit einigen Malen absteigen und schieben bzw. tragen. Wie durch ein Wunder sind wir die ganze Strecke ohne einen Platten ausgekommen, erst als wir wieder auf einer „normalen“ Straße angekommen waren hat Leifs Hinterreifen nachgegeben. Während Leif seinen Schlauch gewechselt hat, kam eine alte Frau aus ihrem Haus und hat uns mindestens 10 verschiedene Arten von Zangen gebracht um uns beim Reparieren zu helfen. Wir haben uns dann sehr oft bedankt und ihr versucht zu erklären das die Zangen uns nicht helfen und wir das richtige Werkzeug dabeihaben.

Bild Schotterweg in Bosnien

Schotterweg in Bosnien

Unser Ziel für den Tag waren ein paar Wasserfälle, für die wir mit eingefrorenen Fingern einen 10 km Umweg gefahren sind. Das hat sich aber definitiv trotzdem gelohnt und wir sind schließlich in unserer schönen idyllischen Unterkunft, mit eigenen kleinen Wasserfällen angekommen.

Bild Wasserfälle

Wasserfälle

Eine Sache, die uns bis jetzt auch aufgefallen war, war das zwar kaum jemand Englisch konnte, es aber überall immer irgendwo eine Person gab, die doch Englisch sprechen oder verstehen konnte. Man musste nur kurz warten, irgendein Name wurde dann in einem Hinterzimmer gerufen und ein netter Mann oder eine nette Frau kam raus, um sich mit uns zu verständigen.

Diese Unterkunft war definitiv etwas rustikaler als die davor. Der Holzfußboden hat schön geknarrt und die Elektrik war ungefähr aus der Zeit als unsere Großeltern Kindern waren, aber die Gastfreundschaft war sehr groß. Als wir gerade völlig durchnässt unsere Sachen ausgepackt haben hat uns die „Gastmutter“ einen warmen Tee aufs Zimmer gebracht und wollte mir einen Fön anbieten um meine Haare zu trocknen.

In der Gemeinschaftsküche haben wir uns dann noch Nudeln mit Käse gekocht und sind schön früh schlafen gegangen.

In Bosnien haben wir leider immer mehr und mehr Straßenhunde und überhaupt jegliche Art von Tieren auf der Straße gesehen und es viel mir wirklich schwer einfach immer weiterzufahren.

…weiter geht’s im 4. Teil

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