Drei intensive Rennen

Drei intensive Rennen


Ein Bericht von Ralf Urbschat

Drei intensive Rennen – Sieg in Rödekro DK, Norddeutscher Meistertitel im Zeitfahren, 1.Platz im Straßenrennen in Schleswig-Holstein, was dem 3.Platz bei den Norddeutschen Meisterschaften entspricht. Die vergangenen Wochenenden waren für mich etwas ganz Besonderes. Innerhalb kurzer Zeit  durfte ich drei intensive und emotional sehr unterschiedliche Rennen erleben.

Meldgaardløbet in Rödekro/DK.

Den Auftakt machte das Meldgaardløbet in Dänemark über 70 Kilometer. Die Bedingungen waren perfekt. Trockenes Wetter, wenig Wind und angenehme Temperaturen. Neben mir starteten noch zwei weitere deutsche Fahrer in einem Feld von 14 Fahrern. Es ging über drei Runden und somit dreimal den berüchtigten Anstieg Hundeklemm hoch. Dort scheidet sich gewöhnlich die Spreu vom Weizen. Doch diesmal verlief das Rennen anders. Von Anfang an hielt ich mich in den vorderen Positionen auf, um auf Attacken sofort reagieren zu können. Dafür nahm ich auch in Kauf mal in den Wind gestellt zu werden. Die dänischen Fahrer starteten dann auch die ersten Ausreißversuche. Da ich das Grundtempo, wir fuhren letztlich einen Schnitt von 38km/h als moderat empfand – was wohl auch daran lag, dass ich von der Athletico Ballerunde am Mittwoch durchaus 40-41km/h-Schnitte bis Aukrug gewohnt bin – schaute ich mir zunächst die Situation ruhig an und sprintete dann die Lücke zu. Allerdings schienen die Fahrer, wenn ich bei ihnen angekommen war, nicht weiter fahren zu wollen oder zu können, so dass das Feld wieder zusammenrollte. Beim ersten Einfahren in den Hundeklemm war es erstaunlich leicht, mich vor dem Anstieg vorn zu positionieren. Kontrolliert, aber mit Druck verteidigte ich meine vordere Position. Es gab keinen wirklich harten Antritt und oben angekommen, fühlte ich mich nicht am Limit. 4 Fahrer mussten allerdings hier schon abreißen lassen. In der zweiten Runde verfolgte ich die gleiche Strategie: Bei Bedarf reagieren, aber nicht selbst unnötige Attacken fahren und den Hundeklemm vorn hochfahren. Ich bemerkte, dass die anderen Fahrer mich vorn fahren ließen bzw. fahren lassen mussten, da keiner wirklich schneller konnte. Jetzt legte ich mir die letzte Runde in Gedanken zurecht. Den Hundeklemm in vorderer Position hochfahren. Wenn keiner attackiert, auf den Sprint setzen. Dieses Wunschszenario stellte sich in der Realität so ein. Zu meiner Überraschung fuhren in einem sehr moderatem Tempo auf den letzten Kilometer. Ein zu erwartende Attacke auf der Autobahnbrücke blieb aus. Vor mir rollten zwei Dänen mit ca. 45 km/h. Ich sagte mir, wenn keiner den Sprint eröffnet, schaue ich mir die perfekte Distanz bis zum Ziel aus, die meinen Sprintfähigkeiten entspricht, was ca. 200m entspricht. Kein Däne eröffnete den Sprint. So peitschte ich los. Mit einem Peak von ca. 1150 Watt  und 10 Sekunden 1000 Watt beschleunigte ich auf knapp 58 km/h. Es muss sofort eine Lücke entstanden sein, was ich nicht sah, da ich nur noch den Kopf runterhielt und alles raushaute, um den Druck auf der Pedale zu halten. Nach ca. diesem 20-Sekunden Sprint überfuhr ich als Sieger die Ziellinie. Ein perfekter Einstieg in die Rennsaison.

Am 2.Mai folgten die Norddeutschen Meisterschaften im Zeitfahren. Der 20 Kilometer lange Wendekurs mit Gegen- und Rückenwind verlangte eine perfekte Renneinteilung. Der Wettergott war wieder gnädig und beschenkte die Fahrer mit Sonnenschein bei sehr wenig Wind.  Der Straßenbelag des Wendekurses, auf dem 4x5km gefahren werden mussten, war perfekt glatt und nur etwas wellig. Vor dem Rennen traf ich bei der Vorbereitung den Sieger des letzten Jahres, der gleichzeitig, was ich später erfuhr, der amtierende deutsche Vizemeister im Straßenrennen ist. Wir unterhielten uns und ich sagte, es sei wohl eine 42 nötig, um zu gewinnen. Eine Woche vorher war ich in einem Test über die Wettkampfdistanz 40.6 km/h gefahren, war mir nicht sicher, ob und wie viel ich bei den Meisterschaften noch raufpacken kann. Ein paar Tage vor dem Rennen verhalf mir unser Zeitfahrspezialist im Verein, Matthias Jubt, das TT-Rad UCI-konform einzustellen. Außerdem lieh mir Tatjana Brandt ihre Laufräder, die im Vergleich zu meinen Laufrädern tubeless sind. Vollkommen ausgeruht und mit Freude über das gute Wetter und mit der Sicherheit eines guten Settings ging ich an den Start. Mit Wucht beschleunigte ich und war gespannt, welchen Schnitt ich auf den ersten 5km zur Wende gegen den Wind haben würde. Der Garmin zeigte 41km/h und jetzt folgte das erste Rückenwindstück, das ich mit 44.5 km/h bewältigte. Unsicher, ob ich den Druck auf der Pedale halten könne bis zum Ende des Rennens, der Puls war permanent über 180, ging ich erneut auf das Gegenwindstück, dass ich kontrolliert fahren wollte, was einer 39.5 entsprach. Jetzt due letzten 5km mit Rückenwind. Zwar taten Lunge und Beine weh, aber ich motivierte mich, indem ich mir sagte: Nur noch 5km mit Windunterstützung. Ich fuhr an der Schmerzgrenze und einige hundert Meter vor dem Ziel sagte ich zu mir: Jetzt noch mal alles raushauen und voll in den roten Bereich gehen, so gelang mir noch mal kurz die Wattzahlen und die Geschwindigkeit hochzuschrauben.  Diesem Endsprint verdankte ich nicht nur einen sich zusammenkrampfenden Magen kurz nach der Zielüberquerung,  sondern, wie sich später herausstellte den Titel, denn der zweitplatzierte war nur 3 Sekunden langsamer als ich.  Der Vorjahressieger und deutsche Vizemeister belegte den 4.Platz und sollte im Straßenrennen der Meisterschaften der Nordverbände einer meiner Hauptkonkurrenten werden.

Meisterschaften der Nordverbnäde: Straßenrennen in Rieps

Dies fand 8 Tage später in Rieps statt. Wieder fanden ich perfekte Bedingungen vor. Eine fast vollkommene  Windstille ließ Winkkantensituationen auf der über 5 Runden zu bewältigenden 50 km unwahrscheinlich sein. Entsprechend einer anderen Trainingsgestaltung dieses Jahr, trainierte ich vor dem Wettkampf nur sehr wenig und setzte darauf vollkommen erholt an den Start zu gehen. Mein Befürchtung, dass wir mit den Senioren 3 zusammenfahren würden, bewahrheitete sich nicht, so dass wir den Sieger unter uns ausmachen konnten, ohne dass Fahrer der anderen Altersklasse den Rennverlauf beeinflussten. Vor dem Rennen schaute ich mir die Rennen der letzten Jahr an und freute  mich wie in DK auf einen „gemütliches“ Grundtempo. Auch gelegentliche Attacken ähnelten dem Rennen in Dänemark und  die Anstiege fühlten sich gleich gut an, so dass ich dort ohne Probleme vorn fahren konnte. Eine Attacke am Anstieg war gut zu parieren. Wieder fuhr ich  in vorderer Position und wurde immer wieder ganz nach vorn gespült, aber selbst im Wind fühlte sich das Rennen wie eine Fahrt irgendwo zwischen  Cappuccino-Gruppe und Ballergruppe am Mittwoch an.  Schließlich gingen wir in die letzte Runde. Als meinen Hauptkonkurrenten behielt ich den deutschen Vizemeister im Blick. Bei den gelegentlichen Attacken beobachtete ich seine Fahrweise bzw. wie spritzig er ist. Nach dem letzten Anstieg in der letzten Runde lief es auf einen Zielsprint hinaus. Jetzt kam der Vizemeister im Zeitfahren vor einer Woche ins Spiel. Er positionierte sich vorn in der Führung und zog das Tempo an. In Gedanken dankte ich ihm für diesen Leadout und bereitete mich auf die Zielgerade vor. An zwei fahrend, hinter mir der wahrscheinliche Hauptgegner im Sprint, war meine Position nicht optimal, aber ich vertraute auf meinen explosiven Antritt. Schließlich erfolgte die Sprinteröffnung und es zeigte sich warum der Fahrer deutscher Vizemeister ist. Ihm gelang es eine Radlänge Vorsprung rauszufahren, die ich zwar halten, aber nicht aufholen konnte. Dann sog sich aus dem Windschatten noch ein Fahrer an mir vorbei. Mit einem halben Meter Vorsprung nahm er mir noch den zweiten Platz ab. Trotzdem war ich glücklich mit dem dritten Platz bei Norddeutschen Meisterschaften und Titel in Schleswig-Holstein, denn ich konnte in einem fairen Rennen meinen Sprint ausfahren, was ich in den letzten Jahren oft, weil mir das Getümmel auf der Zielgeraden zu gefährlich war, freiwillig vermied.


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